Einige Zeit später ergab sich, dass meine Mutter krank wurde und ins Krankenhaus kam. Mein Vater ging regelmäßig ganztags arbeiten. Da meine geliebte Oma zu dieser Zeit schon nicht mehr lebte und unten in unserem Haus eine Mieterin mit Mann und Sohn wohnte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich ans tägliche Kochen zu begeben. Leichte Gerichte, z.B. Nudeln mit Soße und Eierkuchen konnte ich bereits anrichten. Doch spontan wagte ich dann auch erweitert etwas schwierigere Mahlzeiten: Schnitzel, Kartoffeln und Soße. Das Herstellen zweier Grundsoßen kannte ich von meiner Mutter, da ich ihr schon immer gern die Zutaten dafür an den Herd reichte. Zu der Zeit, da meine Mutter im Krankenhaus lag, erinnerte ich meine ersten Erlebnisse damit: Voran das Naschen, eine familiäre Eigenheit bei uns, die sich durch alle Generationen fortsetzt. Dann den Umstand, dass meine Mutter mittags, nach dem Kochen und bevor mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, immer eine kleine Ruhezeit einhielt, die für sie im Schlafzimmer stattfand. Zu dieser Tagesstunde stand in unserer Küche stets das vorbereitete bzw. fertige Mittagessen in Töpfen auf einem mäßig warmen Beistellherd, der befeuert wurde. Durch die Mittagsruhe meiner Mutter und sämtliche alltäglichen Gewohnheiten unserer Abläufe, saß ich regelmäßig zu selbiger Zeit in der großen Küche am Tisch über meinen Hausaufgaben, wenigstens bis zur fünften/ sechsten Klasse. Später fand ich es gar nicht mehr chic, Hausaufgaben zu erledigen. Doch das nebenbei.

 

Was passiert, wenn ein heranwachsendes Kind, allein gelassen in einer Küche mit warmen Essen in den Töpfen, Zeit verbringt mit einer Tätigkeit, die ihm nur wenig Freude bereitet?

 

Freilich, das Kind versucht, sich gut abzulenken und ist „Entweichen“ nicht angesagt, dann eben findet Ablenkung dort statt, wo es ihm möglich ist, sich solche zu suchen.

Da mir insgesamt Hausaufgaben nie schwerfielen (außer Mathe!), blieb regelmäßig Zeit für mich übrig, in Mutters zugedeckte Töpfe auf dem Herd zu schauen, natürlich mit dem Löffel in der Hand. Sie bemerkte es fast nie, da ich gemäßigt vorging und wirklich nur naschte, mir nicht den Bauch gleich ganz füllte. Nur ihre Soßen, die ließ ich aus einem mir selbst unbekannten Grund vollständig in Ruhe. Ich vermute erinnernd, dass ich mich beim ersten Mal mit Soße reichlich bekleckerte und eventuell nahm ich fortan deswegen davon Abstand. Verschmutzte Kleidung bemerkte meine Mutter immer.

Jedes Mal, sobald sie von ihrer Mittagsruhe wieder erwachte und in die Küche kam, sah sie zuerst nach ihren Töpfen, dann zu mir und meinen Hausaufgaben. Wieder kochte sie Kaffee für sich oder Tee für uns beide, holte ihr Rätselheft und setzte sich zu mir an den großen Tisch. Meist verbrachten wir zwei so zusammen noch einige Minuten des Wartens auf den heimkommenden Vater. In diesen Jahren lernte ich einiges Wissen im Voraus, wie es erwachsenen Rätsel-Fetischisten zukommt und reifte später also auch zu solchem Wesen heran.

 

Als tägliche Mahlzeiten kannte ich zuhause keine „kurze Küche“ aus Fertigzutaten, da es solche in der ehemaligen DDR auch nicht in breiter Palette zu kaufen gab. Jeden Tag wurde vollwertig gekocht. Nur Suppen gab es nicht jeden Tag, dafür stets Nachtisch für alle. Unsere Mutter als einfallsreiche Köchin, die in ihrer eigenen Jugendzeit eine Schule für „höhere Töchter“ besuchte, erzählte mir auch gern von dieser Zeit ihres Lebens:

 

Ihre zweijährige Ausbildung am „Theresenhaus“ in Grimma/ Sachsen diente dem Erlernen der Führung eines Haustandes in der „besseren Gesellschaft“. Dort wurden alle Mädchen beschult und angeleitet zu allem, das im Haus geschieht, um eine große Familie richtig zu versorgen: Vorratshaltung, Kleintierschlachten, Backen - Braten - Kochen, Servieren, Tischdecken, Gartenarbeit, Wäsche etc. Weiterhin gehörte auch die Führung von Haushaltbüchern dazu sowie sämtliche Grundlagen wirtschaftlichen Rechnens. Mithin kannte unsere Familie seit der Ausbildung meiner Mutter keine wesentlichen Probleme im Bereich Versorgung außer durch den Krieg, den ich zum Glück nicht erleben musste. Insgesamt blieben meiner Familie aber auch in dieser Zeit die allergrößten Übel erspart, da wir auf dem Lande lebten. Vielen Stadtmenschen erging es wesentlich schlechter in den Kriegsjahren, dass sie über Land ziehen mussten, um das Nötigste für sich zu erbetteln oder zu klauen.

 

In meiner Kinderzeit kannte ich solche Zustände schon nicht mehr. Daher erlebte ich eine Mutter die zwar, schon etwas älter als in den fünfziger Jahren üblich, damals mich noch zur Welt brachte, dafür aber noch sehr agil viele Dinge in Angriff nahm, für die andere sich bereits in gleichem  Alter nicht mehr interessierten und die Zeit nehmen wollten, weil es alles schon wieder zu kaufen gab, gemessen an den bescheidenen Lebensverhältnissen der DDR-Bürger.

 

Meine Mutter kochte für ihr Leben gern. Ihre Vorliebe galt dabei den Soßen und Suppen. Na klar, ein persönliches Faible kennt jeder Mensch. Für meine Mutter fand das Zubereiten von Soßen und Suppen jedes Mal als Zeremonie statt. Da musste alles stimmen: die besten Zutaten, die richtige Zubereitungsreihenfolge, jedes Abschmecken so, dass weder ein noch ein anderes Gewürz dabei geschmacklich hervorstachen und (!!) die Konsistenz musste vor allem den Vorstellungen meiner Mutter entsprechen. Trotzdem wirkte sie immer, als sei das Umgehen mit dem Kochlöffel für sie Spielerei. Aber das nebenbei.

 

 

Bis zum Schluss weiterlesen?

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