Während meine Mutter alle weiteren Zutaten geschwind von Hand in die große Schüssel gab und damit begann, Zitronat zu schneiden sowie süße Mandeln zu hacken, welche ich vorher stets abziehen durfte, überlegte sie laut, was wohl zum Schluss würde vergessen sein. Vielleicht das Gänsefett oder Bittermandel, von der es nie viel brauchte? Insgesamt wurden ganz schöne Berge an Zutaten vorbereitet. Doch Mutter vergaß nie etwas von den Zutaten, höchstens die aufgehende Hefe blieb mal etwas zu lange stehen, ehe sie an die Reihe der Verarbeitung kam.

 

In meinen frühen Kinderjahren buk meine Mutter für drei bis vier Personen meist sechs Stollen. Das machte die doppelte Menge unseres beliebten Hausrezeptes aus. Sobald die warme Hefe, an den Teig gemischt, diesen zu einer sehr zähen Masse aufkommen ließ, knetete meine Mutter sehr heftig darin herum. Das fertige Ergebnis wurde dann noch einmal zum Aufgehen an einer mäßig warmen Stelle in der Nähe des Herdes abgesetzt, für zirka eine halbe Stunde Pause meiner Mutter seit Backbeginn.

 

Ich hielt viel davon, dass Mutter ihre Pause machte. Sie reinigte dann zuerst das große Holzbrett und brühte sich danach eine Tasse Kaffee. Anschließend holte sie ein Rätselheft herbei, setzte sich an den Tisch und begann zu rätseln. Entweder machte ich mit oder lenkte sie ab, indem ich allerhand wissen wollte.

 

Mutter konnte so viele tolle Geschichten erzählen! Leider schrieb sie die wenigsten davon auf und ich erinnere daher noch weniger. Allerdings ist meine emotionale Erinnerung an diese jährliche Vorweihnachtszeit sehr stark, dass ich auch heute diese Backtraditionen in meiner Familie noch weiterhin pflege.

 

Verließ meine Mutter die Küche einmal, um z.B. das Bad aufzusuchen, musste ich unbedingt nach dem Hefeteig sehen und ihn natürlich auch sofort probieren. Regelmäßig wurde ich dabei von ihr erwischt, steckten meine kleinen Finger in der warmen Teigmasse oder klebten gerade noch Reste davon an meinen Kinderhänden. Dann gab es verbale Schelte.

 

Ein Hefeteig, der sehr umsichtig zubereitet werden muss, ist keine Sache, die man einfach abdeckt, um zu naschen. Erstens könnte der Teig zusammenfallen, wenn er nur geringe Luftzufuhr von außen bekommt, zweitens sei nicht gebackener Hefeteig ganz sicher keine gute Sache für den Magen. Ich glaubte meiner Mutter dies allerdings so wenig wie wahrscheinlich ganz viele Kinder aus vorherigen Generationen, denen solche Informationen sicher von ihren Müttern auch mit auf den Weg gegeben wurden.

 

In einem Jahr übertrieb ich die Sache reichlich, wohl aus einem gewissen Protest und Unglauben gegenüber meiner Mutter guter Reden. Sie kehrte gerade in die Küche zurück, als ich noch einmal meinen Finger im Hefeteig krümmte. Da gab es eine heftige Backpfeife und während ich mein kleines Schreikonzert begann, strich in diesem Jahr meine Mutter plötzlich ihre Idee, mit mir noch Pfefferkuchen backen zu wollen. Das erklärte sie mir und es führte natürlich bei mir sofort zu noch heftigerem Brüllen, auf das mein Vater aufmerksam wurde, der gerade vom Hof ins Haus kam, um sich etwas aufzuwärmen. Schutz bei ihm suchen gefiel mir ja sehr, doch wusste ich auch gut und besser, es würde nicht lange anhalten, ihn für mich einzunehmen. Also unterließ ich mein klagendes Schreien und verzog mich gekränkt in mein Zimmer.

 

Die Bauchschmerzen kamen schnell. Hefeteig ist also doch nicht so gut für den Magen. Mein Bauch blähte sich. Ich meinte, mehr als zu viel Teig quoll in mir und ein heftiges Kneipen im Darm setzte ebenfalls ein. Nicht so toll für mich, wieder bei Mutter in der Küche zu erscheinen. Das machte keinen guten Eindruck, so viel konnte ich leicht einschätzen. Mich von meinen Schmerzen abzulenken, probierte ich es mit Lesen. Doch Konzentration klappte auch nicht.

Belehrt durch eigene Erfahrung, erschien ich dann eine halbe Stunde später doch wieder in der warmen Küche, wo es immer noch nach Hefeteig roch. Allerdings befanden sich die vorgefertigten Teigrollen bereits im Backherd. Ohne meine fortgesetzte Beobachtung gediehen sie dort zu gut durchwärmten Christstollen.

 

Ich erinnere eine wesentliche Besonderheit der Art meiner Mutter: Mich für nur eine Sache gleich zweimal zu kritisieren, indem sie mir erstens eine Backpfeife erteilte und zweitens das Pfefferkuchenbacken komplett wegfallen sollte, widerstrebte ihrer eigenen Moral.

Mit der Pause von meiner neugierigen und naschenden Anwesenheit, vor der meine Mutter natürlich stets auf der Hut sein musste, reifte in dem bewussten Jahr wohl in ihr die Überlegung heran, dass dies etwas zu viel der Maßnahmen gewesen sein könnte. Darum schlug sie mir einen Kompromiss vor, sie sagte: „Pass mal auf. Ich ließ für dich vom ungebackenen Teig etwas über, weil du diesen so gerne magst. Du kannst den Teigrest jetzt aufessen und dann schauen wir zwei, ob wir eventuell morgen doch den Pfefferkuchenteig zusammen zubereiten.“

 

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